Suchfunktion

Abschlussdokumentation Jahn-Realschule    Bad Cannstatt

Schulentwicklungsteam / Fächerübergreifende Arbeitszeit

Beschreibung des Projekts

Es ist Dienstagvormittag, 10.10 Uhr. Bei der 7c fängt jetzt die fächerübergreifende Arbeitszeit (kurz: FAZ) an. „Einfach heldenhaft“ ist das Thema des aktuellen Projekts. Bevor es losgeht, werden bei einem kleinen Blitzlicht nochmals einzelne Fragen und Anliegen geklärt. Anschließend notiert sich jede Schülerin und jeder Schüler sein Arbeitsziel im schuleigenen Planer für die heutige Stunde. Jeder befasst sich mit einer Person, die für die Schülerin oder den Schüler ein Held ist – das kann Adolf Dassler oder die eigene Mama sein. Bis zum zweiten Meilenstein muss ein eigener Sachtext zu dieser Person verfasst werden. So unterschiedlich die ausgewählten Personen sind, so ist es auch die Arbeitsweise der Kinder. Im Klassenzimmer herrscht nun eine geschäftige Atmosphäre. Die Lehrerinnen und Lehrer unterstützen, beraten und erinnern die Schülerinnen und Schüler gegebenenfalls an ihre Selbstverantwortung. Die FAZ ist der aktuelle Schwerpunkt der Schulentwicklung. Als eigenständige Stunde ist sie in die reguläre Unterrichtszeit integriert und hat das Ziel, das selbstständige Lernen der Schülerinnen und Schüler unter Anleitung auf- und auszubauen. Durch das Arbeiten an stark gelenkten, projektartigen Vorhaben (5/6)

projektartigen Themen (7/8) und dem eigenen Entwickeln von Projekten (9/10) soll das Interesse der Schülerinnen und Schüler geweckt werden, Themen unter verschiedenen Gesichtspunkten zu bearbeiten, um sich ein möglichst umfassendes Wissen anzueignen. Darüber hinaus sollen die Schülerinnen und Schüler handlungsorientiert verschiedene Methoden erlernen, erproben und gegebenenfalls zu einem Teil ihres Repertoires machen. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Erlernen, Arbeitsschritte zu planen, durchzuführen und abschließend zu reflektieren. Dies wird unter anderem durch verbindliche Verwendung von Meilensteinplänen (Beispiel Meilensteinplan) unterstützt. In ihrem eigenen Jahresplaner – dem Jahn-Planer – organisieren, dokumentieren und reflektieren die Schülerinnen und Schüler ihr Lernen während der fächerübergreifenden Arbeitszeit individuell.

Die Ziele, welche durch die Einführung einer fächerübergreifenden Arbeitszeit erreicht werden sollen, sind das individuelle Fördern und Fordern der Schülerinnen und Schüler. So soll das eigene Handeln gestärkt und das zielorientierte Planen auf der Basis der persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert werden. Durch das Abschließen der fächerverbindenden Vorhaben werden Erfolgserlebnisse für die Schülerinnen und Schüler erfahrbar gemacht. Ein maßgebliches Anliegen ist uns hierbei, dass sie ihr eigenes Arbeit organisieren und reflektieren können, um als gefestigte Persönlichkeiten auftreten zu können. Bei jedem Projekt ist auch das teilweise Scheitern erlaubt, denn auch dadurch kann die Resilienz der Schülerinnen und Schüler gestärkt und ausgebildet werden (Leitfaden Projektunterricht). Durch die Teilnahme am Entwicklungsprogramm „Innovative Unterrichtsentwicklung in Baden-Württemberg“ rückte die Weiterentwicklung der FAZ in den Mittelpunkt des Schulentwicklungsprozesses an der Jahn-Realschule. Das Entwickeln eines schulinternen Curriculums und das Weiterbilden der Kolleginnen und Kollegen sind dabei die Arbeitsschwerpunkte. Unsere Projektgruppe für das Entwicklungsprogramm „Innovativer Unterricht Baden-Württemberg“ setzt sich aus der Schulleitung und Teilen der erweiterten Schulleitung zusammen. Jedes Mitglied der erweiterten Schulleitung begleitet in Absprache mit der Schulleitung als Hauptansprechpartner einen Schwerpunkt des Schulkonzeptes. Das gesamte Team trifft sich einmal monatlich zur Besprechung – dieser Termin ist im Stundenplan aller Teammitglieder integriert – und arbeitet im Auftrag des gesamten Kollegiums an der Weiterentwicklung des Schulkonzepts. In Gesamtlehrerkonferenzen werden Arbeitsschwerpunkte und -ergebnisse vorgestellt, Anregungen und Kritik des Kollegiums aufgenommen, gegebenenfalls Aufgaben konkretisiert und Zuständigkeiten geklärt. Auch Eltern, Schülerinnen und Schüler werden bei Bedarf mit einbezogen. Modifizierte Arbeitsergebnisse werden der Öffentlichkeit über die Schulhomepage und durch Artikel in der lokalen Presse zugänglich gemacht. Einige Aspekte unserer Zielvorgabe konnten wir im vergangenen Jahr verbessern. Eine Hospitation an der Karl-Friedrich-Schimper Gemeinschaftsschule, Schwetzingen eröffnete uns ebenfalls neue Perspektiven zur Durchführung von Projektunterricht. Vor allem im Bereich der Projektstruktur konnten wir Anregungen für unser eigenes Konzept gewinnen. Im Frühjahr 2019 führten wir zwei pädagogische Tage durch.

Hierbei lag der Fokus zum einen darauf, den aktuellen Stand unseres Schulentwicklungsprozesses im gesamten Kollegium auszuwerten und Fortschritte aber auch bestehende Schwierigkeiten zu definieren, und zum anderen mit Hilfe eines Gastvortrags von Frau Dzwoneck der Max-Brauer-Schule, Hamburg – einer Preisträgerschule des Deutschen Schulpreises – ein vertieftes Verständnis des Projektunterrichts zu erzeugen. In den letzten drei Jahren ist es uns gelungen, ein gutes Gerüst für unsere FAZ zu erstellen. Nun gilt es, dies im Sinne eines Evaluationssystems aufzubauen, zu benennen, nachzusteuern und neue Ziele zu formulieren. Zu Beginn des Schuljahres 2018/2019 erfolgte eine Optimierung der Rhythmisierung. Es entstand dadurch ein festes Zeitfenster für die FAZ. Das Schuljahr an der Jahn-Realschule ist in vier Epochen unterteilt. In den ersten drei Epochen wird zweimal innerhalb der Woche die FAZ angeboten. In der vierten Epoche findet täglich eine 60-minütige FAZ-Stunde statt. Neben der Rhythmisierung wurde ein schulinternes Curriculum (FAZ Curriculum) für die FAZ erarbeitet und implementiert. Dieses Curriculum enthält die Projekthemen aufgeteilt auf die Jahrgangsstufen, die schrittweise Einführung der Meilensteinpläne, zu erwerbende Kompetenzschwerpunkte und anzuwendende Arbeitsweisen. Vor allem im Bereich der hausinternen FAZ-Struktur wurde ein Verbesserungsbedarf festgestellt. Gerade die kooperativ angelegte Arbeitsweise der Lehrkräfte benötigt intensive Absprache und Kommunikation. Zudem müssen die anfallenden Aufgaben klar benannt und verteilt werden. Beispielsweise wurde deshalb im Zuge der Umstrukturierung für jedes Projekt ein Zweierteam aus Verantwortlichen festgelegt, dessen Aufgabe darin besteht, die bestehenden Projekte zu aktualisieren und immer weiter zu verbessern (FAZ Projektüberblick). Die FAZ lässt sich im Bereich „Entwicklung und Umsetzung von komplexen und differenzierenden Aufgaben zur Steigerung der kognitiven Aktivierung von Schülerinnen und Schülern“ verorten. Durch das projektartige Arbeiten innerhalb der FAZ und der grundsätzlichen Differenzierung durch die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler selbst wird die kognitive Aktivierung von allen Schülerinnen und Schülern auf ihrem jeweiligen Lernniveau erreicht. Der Jahn-Planer spielt dabei eine entscheidende Rolle, da er langfristig den Lernentwicklungsprozess begleitet und unterstützt. Die Evaluation des Projekts erfolgt in Form einer schulinternen (Selbst-) Evaluation. Es werden Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie die Eltern zur Unterrichtsgestaltung, Effektivität und zu Lerninhalten befragt. Die Ergebnisse hieraus dienen vorerst dazu, weitere Steuerungsprozesse innerhalb der Schulentwicklung vornehmen zu können. Geplant ist zudem eine regelmäßige Sichtung der Schülerarbeiten, die aus der FAZ hervorgehen. Diese zeigen den sichtbaren Erfolg des fächerverbindendenden Arbeitens. Zur Beurteilung werden insbesondere die Reflexionen der Schülerinnen und Schüler herangezogen sowie die Sicht der Eltern zum jeweiligen Produkt ihres Kindes. Ziel ist es, dass Schülerinnen und Schüler in der Abschlussklasse in der Lage sind, ein Projekt selbstständig zu planen, durchzuführen und zu bewerten. Durch die Teilnahme am Entwicklungsprogramm sollten die Unterrichtsstrategien der FAZ zu dem zentralen Punkt des Lehrens und Lernens an der Jahn-Realschule werden. Die regelmäßige Zusammenarbeit und der Austausch mit anderen Projektteilnehmern sollte zudem neue Impulse für die eigenen Schulentwicklungsprozesse liefern. Darüber hinaus sollte die gemeinsame Erarbeitung der weiteren Projektbausteine eine verbesserte Unterstützung und Begleitung des Kollegiums im Zuge des Schulentwicklungsprozesses ergeben. Die einzelnen Bausteine des Entwicklungsprogramms haben zur Weiterentwicklung unseres Projekts beigetragen. So erlebten wir sehr interessante Gastbeiträge. Sehr positiv haben wir aber die Zeit am LS empfunden, in der wir als Projektgruppe konzentriert arbeiten konnten. In der Schule ist es meistens sehr schwer, einen Freiraum zu finden, in dem man mit allen Projektmitgliedern gemeinsam arbeiten kann. Diesen Raum ermöglichten uns die regelmäßigen Treffen am Landesinstitut für Schulentwicklung (LS). Darüber hinaus erwies sich auch die Vernetzung mit den anderen teilnehmenden Schulen als sehr hilfreich, da wir so eine neue Perspektive auf unsere Arbeit gewinnen konnten.

Die FAZ ist bereits heute ein bedeutsamer Teil des Schulkonzepts. Derzeit liegt unser Schwerpunkt weiterhin auf dem Ausbau und der Überarbeitung des Curriculums, der Weiterbildung der Kolleginnen und Kollegen und der Optimierung der einzelnen Projektthemen in den Jahrgängen. Im kommenden Schuljahr 2019/2020 soll zudem die Neustrukturierung der FAZ greifen, in der die Verantwortlichkeiten zur Umsetzung unseres Projektunterrichts geregelt sind. Im Laufe des Projekts wurde für uns deutlich, wie wichtig es ist, feste zeitliche Räume für die Arbeit in der Schul- und Unterrichtsentwicklung zu haben. Daher sehen wir vor, einen kontinuierlich tagenden Arbeitskreis einzurichten, in dem Vertreterinnen und Vertreter des Kollegiums, der Schülerinnen und Schüler sowie der Elternbeiräte an Vorhaben arbeiten, um unseren Schülerinnen und Schülern den bestmöglichen Lernraum zu öffnen.

Fußleiste